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Hellmut Münzner


Fotografischer Nachlass

 

Teil I Erwerb 2003: ca. 50.000 Dias / 10.000 SW-Negative
Teil II Erwerb 2017: ca. 40.000 Dias / 5.000 SW-Negative

 

Hellmut Münzner (1906 - 1991) stammte aus Dresden. Laut dürftiger mündlicher Infos aus seiner Umgebung diente er während des zweiten Weltkriegs als Soldat und geriet am Ende in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er bereits nach ca. 2 Wochen entlassen wurde. Da er Mitglied der Nationalsozialistischen Partei war und so rasch entlassen wurde, könnte er als Kriegsgefangener einen falschen Namen angegeben haben. Wegen seiner (politischen) Vorgeschichte mied er nach dem Krieg seine Heimat, um in Duisburg als Handwerker / Maurer einen Neuanfang zu wagen. Später wurde er Lehrer und brachte es zum Studiendirektor.

Hellmut Münzner, ein Duisburger Studienrat, reiste viel und war ein fleißiger und talentierter Amateurfotograf. In mehr als sechs Jahrzehnten fotografierte er leidenschaftlich alles, was ihm vor die Kamera kam. Bemerkenswert sind seine zahlreichen Besuche Israels und anderer nahöstlicher Länder in den 1950er/1960er Jahren. Was hatte ihn dorthin getrieben?

1967 soll Münzer während des 6-Tage Kriegs Passagier auf einem der 14 Schiffe gewesen sein, die durch die Sperrung des Suezkanals nicht mehr fortkamen.

Münzner reiste meistens mit seiner Frau in Reisegruppen und setzte sich ab, um eigene Wege zum Fotografieren zu gehen. Er wurde mehrmals festgenommen und konnte sich mit den höheren Sicherheitskräften, die studiert hatten und oft Latein konnten, in der alten Sprache unterhalten. Offenbar hat ihm diese Gemeinsamkeit aus prekären Lagen geholfen. Seinen Reisen und seiner Fotobessesenheit haftet etwas Mysteriöses an, denn sie sprengte bei weitem das Volumen ambitionierter Amateurfotografen.

2003 erwarben wir aus Münzners Nachlass 30 Bananenkisten gefüllt mit Zigarrenkisten voller Dias und zwei große Kartons randvoll mit Filmdosen, die jeweils bis zu 15 Schwarzweissfilme enthielten.

2016 erfuhren wir vom damaligen Verkäufer, dass Münzner zwei Garagen voller Regale mit Filmen und Dias hinterlassen hatte und noch eine Palette Dias zu haben sei. Seine Tocher konnte aufgrund ihrer Demenz keine Informationen mehr beisteuern, aber ihr Ehemann wußte noch einiges zu berichten. Ebenfalls der Verkäufer der Dias, dessen Mutter im gleichen Haus wie die Münzners gelegt hatte und sie gut kannte.

2017 erwarben wir den restlichen Nachlass.

Hellmut Münzner
Hellmut Münzner

Der Bestand wurde zuletzt in einer Garage gelagert, weil ihm das Aufbewahren der vielen in Glas gerahmten und insgesamt durch die Menge zu schweren Dias zuhause aus statischen Gründen untersagt wurde. Sein Schwiegersohn, Guido Rünagel, berichtete, dass der Schreibtisch Münzners durch das Gewicht der Dias durchgebogen war.

Leider sind einige Diaserien durch bakteriellen Befall und Pilzbewuchs angegriffen. Beim Sichten musste besonders schadhaftes Material ausgesondert und vernichtet werden. Leider gehörten dazu auch viele gute Bilder, die nicht mehr zu retten waren. Mit digitalen Bildbearbeitungsmöglichkeiten wurden Defekte retuschiert und ausgeblichene Farben rekonstruiert.



Qualitativ sind Münzners Bilder sehr unterschiedlich. Es gibt wunderbare Bildstrecken neben langweiligen und technisch minderwertigen Bildern. Er hatte die Angewohnheit, aus fahrenden Fahrzeugen wie Reisebussen und Eisenbahnen ganze Filme nur mit vorbeiziehenden Landschaften zu belichten. Der nahe Vordergrund ist verwischt, dahinter gibt es landschaftliche Motive. Darunter sind nur wenige gute Bilder zu finden. Doch gibt es neben solchen Serien eine ganze Menge hervorragender Aufnahmen, vor allem aus den Jahren zwischen 1930 bis 1970.



Diaarchiv: Bananenkisten voller Zigarrenkisten.



Negativarchiv: Zahlreiche Blechdosen mit aufgerollten Filmen


Münzner erstellte aus seinen Bildern Diavorträge. Er ergänzte seine eigenen Aufnahmen mit Repros aus Büchern und Zeitschriften. Bei der Aufarbeitung der Münzner-Bilder wurden die Repros, Diaduplikate und umkopierten Negative aussortiert. Es kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass noch immer einzelne nichtidentifizierte Repros von fremden Bildern in einigen Diaserien sind.


1969 Jordanien - Amman


1950er Sizilien

um 1935 Jungs auf Klassenfahrt. Rochsburg

um 1930 Italien - Markt

1950'er Frankreich

   1980 Rheinland Pfalz - Dampfer

1950'er Spanien - Sevilla

1959 Mailand