Das deutsche Lazarett in Korea. 1954 bis 1959

Ein deutsches Lazarett in Korea, wie kam das in den 1950’ern zustande? Der Koreakrieg war nach knapp 4 Millionen Toten gerade in einen anhaltenden Waffenstillstand überführt worden. Der Krieg wurde von Truppen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit China gegen die Republik Korea (Südkorea) und UNO-Truppen geführt. In den Geschichtsbüchern steht der 25. 6. 1950 für den Beginn und der 27. 7. 1953 für das Ende des Krieges. Dabei gibt es bis heute keinen Friedensvertrag und das Land ist gespalten. Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem die Japaner u. a. aus dem von ihnen besetzten Korea vertrieben wurden, gab es dort zwei Besatzungszonen. Der Norden wurde der Sowjetunion und der Süden den USA zugesprochen. Korea sollte eine vereinigte unabhängige Nation bleiben. Der Beginn des Kalten Krieges und die in Fernost erkennbaren Tendenzen zu kommunistischen Systemen ließen die Sowjetunion und die USA auf gegnerischen Seiten mit unterschiedlichen Interessen geraten. Der 38. Breitengrad, der Korea mittig teilt, wurde zur Demarkationslinie.

Die mit den USA kämpfenden Truppen kamen aus vielen Ländern. Deutschland war so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht auf den Seiten seiner ehemaligen Kriegsgegner dabei.

1958. Korea. Deutsches Rotes Kreuz in Pusan. Schwestern

1958. Korea. Deutsches Rotes Kreuz in Pusan. Schwestern

Aber 1954 bot der damalige Bundeskanzler und gleichzeitig Bundesminister des Auswärtigen Amtes, Konrad Adenauer, den USA an, ein deutsches Lazarett in Korea einzurichten. Von 1954 bis 1959 unterhielt Deutschland ein Lazarett in Pusan. Um den friedfertigen Charakter zu unterstreichen, wurde es vom Deutschen Roten Kreuz betrieben und diverse Damen der Bonner Schwesternschaft wurden als Krankenschwestern nach Fernost geschickt. Das Lazarett war einem amerikanischen Stützpunkt angegliedert. Die Stadt Pusan war voller Flüchtlinge. Es gab viele Verletzte. Das Lazarett befand sich in einer ehemaligen Mädchenschule.

1958 / 1959 wurden schwere Vorwürfe gegen das Lazaretts geäußert. Einerseits wurden die mangelhaften hygienischen Umstände beanstandet. Pusan hatte keine gute Kanalisation, eine improvisierte Wasserversorgung und es wimmelte in der überfüllten Stadt von Ratten, hieß es daraufhin seitens des DRK. Ein zweiter Vorwurf wog schwerer. Der Chirurg des Lazaretts, Dr. Harald Friedrichs hatte Patienten geschlagen. Dies soll unter anderem geschehen sein, weil ein rabiater Koreaner einen koreanischen Pfleger angegriffen hatte. Ein Kölner Arzt, Dr. Rosenbaum, schrieb zehn Tage nach seinem Eintreffen im Lazarett einen vernichtenden Bericht. Das Lazarett sei ein “Bordellbetrieb” und ein “Unterschlupf für verkrachte Existenzen und Nazis.” Von “untragbaren sittlichen Verhaltensweisen” einer gewissen Gruppe sowie “unbelehrbare eingefleischte Nazis” berichtete Rosenbaum. Das DRK wies die Vorwürfe zurück. Bemerkenswert ist jedoch, dass das Lazarett kurz darauf geschlossen wurde. Es wurde kein Ersatz an anderer Stelle eröffnet.

Die Schwestern des Roten Kreuzes unter sich.

1958. Korea. Die Schwestern des Roten Kreuzes unter sich.

Für (West-) Deutschland war die Koreabeteiligung ein wichtiger Schritt zur Wiedererlangung der Akzeptanz durch zahlreiche ausländische Repräsentanten. Adenauers Strategie war aufgegangen.

1958. Korea. US-Amerikanischer Stützpunkt. Militär. Soldaten

1958. Korea. US-Amerikanischer Stützpunkt. Militär. Soldaten

Für die Schwestern des Deutschen Roten Kreuzes war die Hin- und Rückfahrt auf Schiffen sowie der Aufenthalt ein großes Abenteuer. Im fotografischen Nachlass einer Schwester sind Bilder aus der Zeit erhalten geblieben.

1958. Korea. UN-Memorial für die Kriegsgefallenen

1958. Korea. UN-Memorial für die Kriegsgefallenen der Un-Truppen

Air Base  K-9 in Pusan. Rotes Kreuz

Air Base K-9 in Pusan. Rotes Kreuz

Im Lazarett

Im Lazarett - Ärzte - Patienten

Militärischer Gruß vor einem deutschen Artz. Dr. Friedrichs?

Militärischer Gruß vor einem deutschen Arzt. Dr. Friedrichs?

1958. Korea. Busan. Man vergleiche das Bild mit einer aktuellen Aufnahme!

1958. Korea. Busan. Man vergleiche das Bild mit einer aktuellen Aufnahme!

Weitere Fotos aus dem Nachlass der Schwester des Deutschen Roten Kreuzes sind auf unserer Website medienarchiv.com zu sehen.

Quellen:
– http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42624414.html
– diverse Zeitungsausschnitt vom 21. 1. 1959
– Notizen aus dem Nachlass

Leave a Reply

  

  

  


sieben − 6 =