Wohin mit alten Fotos?

Seit vielen Jahren sammle ich alte fotografische Nachlässe, sichte, sortiere und digitalisiere die Bilder. Viele werden auch weggeschmissen, weil sie uninteressant sind, aber im Laufe der Zeit habe ich viele Fotos gesammelt, die zu schade für die Mülltonne sind. Wer glaubt, das Material gewinnbringend vermarkten zu können, irrt sich in den meisten Fällen. Der Kunstmarkt sucht vintage Abzüge, also keine Negative und Dias. Das ist eigentlich erstaunlich, weil man mit dem Film das Ursprungsmaterial erwirbt, von dem man Abzüge erstellen kann.

2014. Dias. Fotografie. Archiv

2014. Dias. Fotografie. Archiv

Die Verwertung in den Medien funktioniert nur bei ganz besonderen Themen. Ansonsten konkurriert man mit den großen Bilderagenturen, die reichlich historisches Bildmaterial haben. Die Schätze in den Fotonachlässen haben oft einen speziellen Charakter. Beispielsweise hat jemand in den sechziger Jahren die Gründung eines Gartenvereines fotografiert und dem Bau seiner Laube. Dann die Gartenfeste mit Hollywoodschaukel und bunten Campingstühlen. Menschen in der Kleidung der damaligen Zeit. Aber vieles davon ist heutzutage kaum verwertbar weil beispielsweise kleine nackte Kinder mit Schaufel und Sandeimer zu sehen sind. Zudem gibt es nicht viele Veröffentlichungen dazu.

Die Erschließung kostet Zeit und Geld

Wenn man nun noch an die Arbeit des Digitalisierens, der Bildbearbeitung und des Beschriftens denkt nebst allem vorbereitenden Tätigkeiten, den Kosten und der konservatorisch einwandfreien Aufbewahrung der Originale für die Zukunft, ist der Aufwand zum Erschließen von fotografischen Nachlässen extrem hoch und wirtschaftlich in den allermeisten Fällen ein absolutes Minusgeschäft. Man muss eine persönliche Motivation für diese Arbeit mitbringen oder hat vielleicht das Glück in einem betuchten Museum zu arbeiten oder für eine Stiftung, die den finanziellen Rahmen stellt.

Übrigens ist es nicht so, dass man Bilder findet und sie so ohne weiteres verwerten darf. Hier gilt eigentlich, wo kein Kläger, da kein Richter. Aber oft sind die Bildrechte verwaist. Somit kann man sie nicht übertragen. Ich habe einige Male erlebt, dass man Fotos, die ich aus Nachlässen digitalisierte, die niemals vorher veröffentlicht waren, von meiner Website kopierte und woanders verwendete. In diesem Falle wird von Gerichten, falls überhaupt, nur geringer Schaden angenommen und die Unterlassung eines Urhebervermerks kann man gar nicht geltend machen, weil man selbst als Bildinhaber den Urheber möglicherweise gar nicht kennt und somit nicht angibt. Beträgt der realistische Schaden in solchen Fällen rund 100 €, kann man rechtliche Auseinandersetzungen deswegen abhaken. Entweder zahlt die andere Seite oder man vergisst den Fall.

Anders ist jedoch, wenn man fotografische Nachlässe so übernimmt, dass man sich beispielsweise von den Erben ein Schriftstück geben lässt, in dem steht, dass sie die rechtmäßigen Erben sind und ihre Rechte an den Bildern an den Beschenkten oder Erwerber übertragen. Ein weites Feld …. Dazu kann man noch sehr viel mehr schreiben.

Falls es euch interessiert, was ich aus fotografischen Nachlässen gewinne, könnte ja mal auf der verlinkten Seite die Bestände der dort aufgeführten Konvolute unter Nachlässe/Konvolute ansehen.

http://www.medienarchiv.com/autoren.htm

Schmeißt alte Fotos nicht weg! Wer den Nachlass eines guten Fotoamateurs geerbt hat und nicht weiß, wohin damit, kann mich gerne kontaktieren. Kontakt siehe Impressum

Eine Antwort auf Wohin mit alten Fotos?

  • Manuela Schirm-Jörren

    Hallo Herr Gade,nach langen googeln bin ich glücklicherweise auf Ihre Seite gestoßen. Es ist so schön durch Ihre Galerie zu stöbern und all diese einmaligen Fotos zu sehen aus vergangenen Jahrzehnten. Toll!!!
    Ich habe aus dem Nachlass meiner verstorbenen Tante schwarz weiß Fotos und Dias, 50,60,70 er Ja hre,Landschaftsaufnahmen aus der DDR und der CSSR. Ist das interessant für Sie.
    Seit vielen Jahren verstauben diese in meinem Regal und ich bringe es nicht übers Herz diese zu entsorgen.
    Wenn Sie Interesse haben würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.Jetzt schaue ich mir erst einmal die Fotos aus Ihrerr Galerie von Berlin an….von der anderen Seite der Mauer.
    Mit besten GrüßenManuela Schirm-Jörren

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