Kodak T-Max P3200 Schwarzweißfilm getestet

Wieder aufgelegt. Kodak TMax P3200 Filme für die analoge Fotografie

Im Zuge der sinkenden Nachfrage nach Film verschwanden ab 2000 viele Filmsorten vom Markt. Unter anderem stellte Kodak 2012 die Produktion des Schwarzweiß-Negativfilms TMAX P3200 ein, der vor der Jahrtausendwende vor allem bei  Sport- und Actionfotografen beliebt war, die auch unter ungünstigen Lichtbedingungen kurze Belichtungszeiten benötigten.

Dieses Jahr führte Kodak den TMAX P3200 wieder ein. Seine nominale Empfindlichkeit beträgt 30 DIN / ISO 800. Durch die Wahl des Entwicklers und der Entwicklungszeit kann der Kodak T-Max P3200 variabel mit ISO 800 bis ISO 6400 belichtet werden. Die getroffene Einstellung muss für einen gesamten Film beibehalten werden.

Kodak Alaris schickte mir im April 2018 vier Filme zum Testen. April ist ein Monat, in dem bei gutem Wetter die Bäume wieder ihr Blätterkleid anlegen, es blüht und in diesem Jahr sogar sommerliche Temperaturen herrschen. Nach grauen Monaten explodiert draußen eine Farbenpracht, die mich zum Fotografieren inspiriert.

29. 4. 2019. Wasserpolo auf dem Hohenzollernkanal in Berlin.

Ein höchstempfindlicher Schwarzweißfilm in dieser Zeit der Lichtfülle? Im Winter gibt es reichlich Motive. In den Berliner Einkaufsstraßen herrscht nach Einbruch der abendlichen Dunkelheit ein reges Treiben vor beleuchteten Schaufenstern. Nicht jedoch im April. Die typischen Fotos aus den U-Bahnen würde man wahrscheinlich in jedem zweiten Blogbeitrag über diesen Film finden. Die muss ich nicht auch noch aufnehmen.

Um die Ecke gibt es eine Kneipe, in der nachts auf einer kleinen Bühne Musiker auftreten. Vielleicht sollte ich es dort versuchen. Ausgerüstet mit der Kameratasche und mit zwei Bierchen vorab auf die dortige Atmosphäre vorbereitet ging ich hin. Aber dort saßen viele Mittzwanziger beim Bingo! Nahezu regungslos saßen sie dort herum. Von Musikern keine Spur. Die Bühne war verwaist. Nun gut, dann eben nicht.

Ausschnitt aus dem Foto. Die schnelle Bewegung der Paddel und Wassertropfen wird durch die kurze Belichtungszeit eingefroren.

Mir fiel ein, dass in der Nähe meines Bootsliegeplatzes ein Wassersportverein beheimatet war, der Wasserpolo betrieb. Im Hohenzollernkanal (Berlin) waren dafür Tore verankert und die Spieler flitzten mit ihren kleinen Kanus hin und her, um den Ball in das gegnerische Tor zu bringen. Auf dem Wasser ging es ruppig zu. Die Boote stießen oft zusammen oder gerieten über- oder untereinander. Die sportliche Action mit schnellen Bewegungen konnte gut zum Testen des T-MAX P3200 herhalten. Ich wußte nicht, wann trainiert wurde, konnte aber bei schönem Wetter auf meinem Boot herumlungern und gelegentlich zur 250 m entfernten Teststrecke gehen, bis dort etwas geschah. Die Trainingsstrecke lag unterhalb der Einflugschneise zum Flughafen Tegel und zwischendurch konnten einige tief fliegende Flugzeuge aufgenommen werden. Irgendwann war es soweit.

Dafür hatte ich meine alte Pentax Z1 Spiegelreflex aus den frühen 1990er wieder herausgekramt und ein Sigma Apo 4/300mm Teleobjektiv daran montiert. Nicht nur die Leistungsfähigkeit des Films interessierte mich, sondern auch, ob die alte Kamera der Aufgabe gewachsen war. Kein Problem, wie sich herausstellte. Der Autofokus war nicht langsamer als bei einer modernen DSLR von Pentax, eher flotter und treffsicherer, wie mir schien.

Die DX-Kodierung der Patrone stellte eine Empfindlichkeit von ISO 3200 an der Kamera ein. Manuell senkte ich diesen Wert auf ISO 1600, weil das Wasserpolo bei Sonnenschein stattfand und bei Blende 5,6 mit noch höherer Empfindlichkeit manchmal selbst eine 1/8000 Sekunde Belichtungszeit zu lang gewesen wäre.

Die kurzen Belichtungszeiten erlaubten das Fotografieren mit dem Teleobjektiv aus freier Hand. Ich hatte als Entwickler Ilford Microphen angesetzt, der im Mischungsverhältnis 1:1 zum Entwickeln dieses Films verwendet wurde. 10 Minuten bei 24° Celsius. Er geriet ein bisschen kontrastreich. Zwei Minuten weniger hätten bei der Temperatur wohl auch gereicht.

Als Ergebnis erhielt ich Bilder, die weniger grobkörnig waren als erwartet und eine feine Differenzierung in viele Tonwerte aufwiesen. Der Film ließ sich relativ gut mit einem Nikon Coolscan 4000 scannen. Eigentlich war dieser Scanner nicht so gut für Schwarzweißfilme geeignet, weil er das Korn und Kratzer betonte, doch die Ergebnisse waren okay. Dieser hochempfindliche Film bot natürlich nicht die Detailfülle von niedrigempfindlichen Filmen. Doch mit jenen wären solche Aufnahmen aufgrund zu langer Belichtungszeiten gar nicht zu bewältigen gewesen. Beim Scannen mit 2000 dpi und mit 4000 dpi mit dem sehr guten Nikon Coolscan 4000 zeigte der TMAX P3200 keine großen Unterschiede in der Auflösung.

Inwieweit dies mit einer optimalen Entwicklung und mit besserer Fototechnik gesteigert werden kann, habe ich nicht ausprobiert.

Sicherlich werden wir dazu demnächst einiges in den Foren und Blogs zu analogen Fotografie lesen, sobald Erfahrungen anderer veröffentlicht werden. Für die richtigen Motive eingesetzt, liefert dieser Film schöne Schwarzweiß Bilder mit der Ästhetik der klassischen Fotografie.

Siehe auch: Ausführlichere Version mit zusätzlichen Infos

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