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Berlin. Flugplatz Tegel


Airport Tegel / TXL

2020 © Thomas Gade

Der Virus Covid-19 legt den Flugverkehr lahm

27. 5. 2020. Die Reisebeschränkungen wegen des Virus Corona / Covid 19 haben den Flugverkehr fast zum Erliegen gebracht. Während zuletzt vor Corona täglich zwischen 500-600 Starts und Landungen täglich zustande kamen, liegt die Zahl aktuell wohl unter 100. Dazu zählen derzeit erstaunlich viele kleine Sportmaschinen und natürlich die Flugzeuge der Regierung. Das Hauptgebäude ist längst für den Publikumsverkehr geschlossen. Die darin befindlichen Läden haben dichtgemacht und ihre Mitarbeiter entlassen. Einige wenige Sicherheitskräfte spazieren in den Gängen und am einzigen offenen Eingang sitzt eine weitere Sicherheitskraft, die bei gelegentlich eintretenden Person genau prüft, ob sie weitergehen darf oder keinen Zutritt hat.

Regelmäßig ertönen in deutscher und englischer Sprache Hinweise zum korrekten Verhalten, um Ansteckungen zu vermeiden. Das mutet bizarr an in den fast völlig leeren Gängen, in denen die ganz wenigen Leute, die dort arbeiten und die Texte wahrscheinlich schon lange auswendig kennen, damit berieselt werden.


Flugplatz Tegel. Keine Passagiere in Sicht. Normalerweise ist gerade dieser Bereich stark frequentiert.

Bildergalerie Alle Fotos vom 27. 4. 2020

Das übliche Kommen und Gehen der Passagiere sowie herumfahrende Taxen und Busse vor dem Gebäude ist nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Nicht abgelenkt von dem sonst üblichen Treiben, sieht man auch, wie marode der Flugplatz stellenweise ist. Außen wirkt er etwas vernachlässigt und heruntergekommen.

Am Terminal C in einer tiefer gelegenen Nebenhalle werden die wenigen noch erscheinenden Passagiere und Flugzeuge abgefertigt. Bei meinem Eintreffen haben zwei Sicherheitskräfte an der Tür viel Zeit, mein schriftliche Genehmigung zum Fotografieren und den Presseausweis genau zu betrachten. In der Halle ist nichts los. Der Cafeteriabereich ist mit rot-weißen Plastikband abgesperrt und wird auch nicht betrieben. Gleiches gilt für einen kleinen Stand, an dem es ebenfalls Kaffee gibt. Der am östlichen Ende der Halle gelegene Bereich mit Shops ist gesperrt. Eine Hand voll Leute sitzt auf einigen Stühlen an der Wand. Sind das Passagiere oder dort tätige Kräfte? Wer sollte für fünf Personen ein Flugzeug bewegen? Vor den Abfertigungsschaltern sind mit Bändern die Wartestreifen bezeichnet und zugleich voneinander abgegrenzt. Niemand ist dort. Am westlichen Ende der Halle, gelangen Passagiere durch einen mit Bändern markierten Zickzackweg wie durch ein Labyrinth zum Ausgang aufs Flugfeld, der von einer Dame beaufsichtigt wird. Aber auch dort befinden sich keine Passagiere.


Nichts los im Terminal C, der einzigen noch offenen Abfertigungshalle

Ich halte mich etwa 30 Minuten in der Halle auf und kann ungestört mein Stativ mit der Kamera überall hinstellen und in aller Ruhe Bilder machen. Einmal läuft ein Polizist an mir vorbei. Wir nicken einander kurz zu und sein Gesichtsausdruck spiegelt die Leere und Untätigkeit in der Halle wieder.

Die Ungestörtheit ermöglicht mir den Luxus, neben der Digitalkamera auch eine ältere Spiegelreflexkamera mit einem Kleinbildfilm zu verwenden. Der Flugplatz stammt aus Zeiten, in denen es weder Smartphones noch Digitalkameras gab. Da erscheint es mir in einer Phase angemessen, in der seine baldige Schließung immer wahrscheinlicher wird, ihn mit einer Technik, die seinerzeit zugehörig ist, zu fotografieren.

Seine Schließung ist für Mitte Juni angekündigt, aber was bedeutet das schon bei diesem Flughafen? Seit 2010 sollte das passieren und immer wieder wurde sie abgesagt.