Fotoarchiv Gade

Fritz Vogel - Fotoalben

2025 © Thomas Gade


29 Fotoalben


Fritz Vogel - Fotos aus Berlin in Alben

Vor einem Umzug wollte ein Ehepaar unnötige Dinge loswerden, darunter 28 Fotoalben, die Andreas Vogel von seinem Vater Fritz Vogel (1927–2018) geerbt hatte. Wegwerfen schien jedoch nicht der richtige Weg zu sein. Stattdessen wurde jemand gesucht, der mit den Alben vielleicht noch etwas anfangen konnte. Fritz Vogel hatte als Rentner Berlin und das brandenburgische Umland auf zahlreichen Spaziergängen fotografiert. Akribisch notierte er zu jedem Motiv Ort, Datum und Details. Die Abzüge, meist im Format 10 × 15 cm, klebte er sorgfältig in Alben und versah sie mit Notizen, die das Datum, den Ort und das Motiv angaben. Leider waren die Negative verschwunden; nur die Papierabzüge blieben erhalten.

Das war schade. Kleine Abzüge haben nicht die Detailfülle der originalen Negative und beim Vergrößern werden oft Bildränder abgeschnitten, etwa Gebäudekanten oder Turmspitzen, die auf dem Negativ noch zu sehen sein könnten. Zuerst zögerte ich deshalb, die Alben anzunehmen. Doch die Alternative, nämlich die Mülltonne, erschien mir schlimmer. Außerdem konnte das Durchblättern und Auswählen erhaltenswerter Bilder nicht allzu aufwendig sein. So sagte ich zu.

Die meisten Aufnahmen entstanden in den 1990er Jahren in Berlin, einer interessanten Übergangszeit kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, die knapp 30 Jahre lang die Stadt in Ost und West getrennt hatte. Fritz Vogel dokumentierte einige Ereignisse, etwa die umfangreiche Wiederbebauung am Potsdamer Platz, die temporäre Attrappe des Berliner Stadtschlosses, die für den Wiederaufbau werben sollte, oder das noch ruinöse Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße, das später aufwendig saniert wurde und heute kaum mehr an seinen damaligen Zustand erinnert.

Fritz Vogel hatte keinen „Postkartenblick“. Er fotografierte Sehenswürdigkeiten und Gebäude systematisch der Reihe nach, dazu erstellte er präzise Notizen. Auf künstlerische Komposition legte er wenig Wert. Hauptsache, das gewünschte Motiv war drauf. Bemerkenswert ist jedoch, dass er oft bei bewölktem Himmel unterwegs war. So vermied er harte Schatten und starke Kontraste, was für sachliche Gebäudedarstellungen vorteilhaft ist. War das Absicht oder Zufall? Er kann uns diese Frage nicht mehr beantworten.

Die kleinen 10 × 15 cm-Abzüge wirken weniger beeindruckend als hochwertige Scans von Originalnegativen auf einem großen Bildschirm. Es stellte sich die Frage, ob Scans dieser Abzüge für akzeptable Drucke bis DIN A4 ausreichen? Und lohnte der Aufwand, bei vielen Bildern die perspektivischen Verzerrungen (stürzende Linien durch Aufwärtsblick) digital zu korrigieren?


1993 / 1994 - Stadtschloss Simulation in Berlin. Der 10x15 Abzug (links oben) wird mit 800 oder 1200 DPI gescannt. Mithilfe digitaler Bildbearbeitung werden die stürzenden Linien entzerrt. Die Bildqualität ist - gemessen an der Vorlage - besser als erwartet, aber nicht auf dem Niveau, das durch Scannen des Negativs erreichbar wäre.


1991 Gebäude in Berlin. Aus der Perspektive des Fotografen sind die senkrechten und horizontalen Linien meistens schräg. Werden die Bilder gescannt, kann man die Darstellung entzerren.

Bildqualität

Um dies beurteilen zu können, habe ich einige Aufnahmen mit einem Epson Expression 10000XL Flachbettscanner bei 1200 dpi gescannt. Diese Auflösung holt das Maximum aus den kleinen 10 × 15 cm Abzügen heraus. Vermutlich hätten auch 600 dpi ausgereicht, doch ich wollte auf Nummer sicher gehen. Der verwendete Profi Scanner liefert in jedem Fall hervorragende Ergebnisse.

Fritz Vogel fotografierte häufig Gebäude aus der Froschperspektive, also auf Straßenhöhe mit Blick nach oben, wodurch senkrechte Linien nach oben hin zusammenlaufen. Mit Adobe Photoshop lassen sich diese perspektivischen Verzerrungen zwar gut korrigieren, allerdings gehen dabei zwangsläufig an zwei Bildecken Bildbereiche verloren. Zudem ist der Vorgang recht zeitaufwendig.

Herausfordernd sind auch die tiefschwarzen Schattenpartien mancher Abzüge. Eine digitale Nachbearbeitung kann hier nur selten noch Details sichtbar machen, weil die entsprechenden Informationen in den Vorlagen fehlen. Scans direkt von Negativen oder Dias böten in solchen Fällen deutlich mehr Spielraum und eine höhere Detailauflösung. Ob die vorhandenen Tonwerte eine zufriedenstellende Bildbearbeitung zuließen, wurde daher zu einem entscheidenden Kriterium bei der Bildauswahl. Reichten sie nicht aus, wurden die Fotos aussortiert. Das betraf auch Aufnahmen, bei denen wichtige Motivteile fehlten, wie etwa Kirchturmspitzen oder andere markante Elemente, die unvollständig oder gar nicht mehr im Bild waren.

Bildbearbeitung ist stets mühsam und zeitintensiv. Sie soll sich daher lohnen. Aus den 28 Alben kristallisierten sich jene Bilder heraus, die sowohl technisch geeignet waren als auch einen dokumentarischen Wert besaßen. Bei der Sichtung und Auswahl muss man berücksichtigen, dass viele Motive auch von anderen Fotografen festgehalten wurden und deren Aufnahmen zunehmend in online zugängliche Bildquellen einfließen. Wenn dort beispielsweise zahlreiche hochwertige und zeitlich eng beieinanderliegende Aufnahmen des Brandenburger Tors verfügbar sind, ergibt es wenig Sinn, technisch schwächere Fotos zu bewahren. In solchen Fällen lohnt sich weder das Scannen noch die aufwendige Bildbearbeitung oder das Erstellen von Bildbeschreibungen.

Der Test zeigte, dass sich aus nicht zu kontrastreichen Vorlagen durchaus Dateien erzeugen ließen, die zufriedenstellende Drucke im Format DIN A4 ermöglichen. Wie bereits erwähnt, gilt dies jedoch nur für Vorlagen mit ausreichenden Tonwerten und historisch relevanten Motiven.



Ein dickes Album mit 50 Blättern (100 Seiten) aus Karton voller Fotos wiegt 2,8 kg.


Der Fotograf hat die relevanten Informationen - Datum, Ort und Motiv - getippt und in die Alben eingeklebt.

Geschichte der Fotoalben

Fotoalben sind meist persönliche Archive, meistens geschaffen zur Bewahrung von Erinnerungen. Sie zeigen Bilder aus Lebensläufen, von Reisen und sozialen Begegnungen, die andernfalls allmählich in Vergessenheit geraten. Für viele Menschen sind solche Alben bedeutsam, nicht nur um ihre eigene Geschichte nachvollziehbar zu machen, sondern auch die ihrer Vorfahren.

Seit etwa 1860 war es üblich, sich von einem Fotografen porträtieren zu lassen. Zahlreiche sogenannte Carte-de-Visite-Fotografien auf Karton im Format 6×9 cm aus dem 19. Jahrhundert belegen das. Viele dieser Bilder wurden in kunstvoll gestaltete Alben mit geprägtem Ledereinband aufbewahrt. Die Seiten bestanden aus dickem Karton mit Passepartouts, hinter die die Fotos geschoben wurden.

Im 20. Jahrhundert konnte jeder selbst fotografieren. Kameras und Filme wurden industriell für den Massenmarkt produziert. Da nun mehr Bilder entstanden und das Fotografieren leichter wurde, veränderten sich auch die Alben. Die Fotos wurden auf dünne Kartonseiten geklebt, zwischen denen halbtransparentes Pergamentpapier eingebunden war, um die gegenüberliegenden Bilder vor direkter Berührung zu schützen.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kamen Flipalben in Mode. Sie bestanden aus einem stabilen Umschlag mit jeweils ca. 25 Innenseiten aus transparenter Plastikfolie. In diese Taschen ließen sich meist zwei Fotos im Format 9 × 13 oder 10 × 15 cm einstecken, insgesamt bis zu 100 Bilder. Das entsprach der Ausbeute von drei bis fünf Kleinbildfilmen mit jeweils 36 Aufnahmen. Da nicht jede Aufnahme gelang, wurden meistens nur ausgewählte Fotos archiviert. Die Alben waren längst nicht mehr so elegant wie frühere Modelle, aber praktisch. Die Fotos mussten nicht mehr geklebt werden. Sie ließen sich ohne direkte Berührung des empfindlichen Materials leicht durchblättern.

Vom Fotoalbum zum Fotobuch

Seit etwa 2000 haben digital erstellte Fotobücher klassische Fotoalben zunehmend verdrängt. Die Fotobücher bieten mehr Gestaltungsspielraum und das Einkleben oder Einstecken von Abzügen entfällt vollständig. Außerdem kann man beliebig viele Exemplare der Fotobücher bestellen.


Bewertung

Alben nehmen viel Platz ein und sind vergleichsweise schwer. Wenn darin Menschen porträtiert sind, vielleicht sogar prominente Persönlichkeiten und ihre sozialen Kreise, können die Bilder kulturhistorisch relevant sein. In solchen Fällen spielt es nur eine untergeordnete Rolle, wenn die ursprünglichen Dias und Negative nicht mehr vorhanden sind. Anders verhält es sich jedoch, wenn jemand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem Gebäude, Landschaften, Tiere oder Pflanzen fotografierte und davon lediglich Abzüge im Format 10 × 15 cm erhalten sind. Dann mindert dies den Wert der Fotos erheblich, da es von den meisten Motiven aus anderen Quellen bessere Aufnahmen gibt.

Das Fehlen der Negative oder Dias bedeutet dennoch nicht zwangsläufig, dass ein fotografischer Nachlass wertlos ist. Postkartengroße Bilder können bei guter Qualität und sorgfältiger Digitalisierung ausreichend Details für zufriedenstellende DIN A4 Drucke liefern. Dennoch bleibt der Anteil erhaltenswerter Fotos deutlich geringer, als wenn die Originale verfügbar wären.

In diesem Konvolut erwiesen sich nur etwa fünf Prozent der Bilder als erhaltenswert. Werden sie zusammen mit den zugehörigen Notizen aus den Alben entnommen, reduziert sich das Volumen erheblich, was die Lagerung und Weiterverarbeitung erleichtert. Übrig blieben letztlich rund 60 Fotos – eine magere Ausbeute aus einer so umfangreichen Sammlung. Dies unterstreicht, wie wichtig der Erhalt der originalen Filme ist, um Aufnahmen mit hoher Detailauflösung, guter Qualität und optimalem Spielraum für die Bildbearbeitung scannen zu können.

Auch rechtlich ist das Fehlen der Negative nicht unproblematisch. Falls sie sich doch noch im Besitz einer anderen Person befinden, könnten daraus später Schwierigkeiten entstehen. Eine dokumentierte Übergabe, etwa per E-Mail oder zumindest in Form eines Protokolls, ist daher unerlässlich.