1955. Passagierschiff Queen Elizabeth in Portsmouth
Fotos: Hellmut Münzner
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
Passagierschiff Queen Elizabeth
© Thomas Gade
Die Queen Elizabeth, eines der berühmtesten Passagierschiffe des 20. Jahrhunderts, war ein technisches Meisterwerk ihrer Zeit. Gebaut wurde sie von der renommierten Werft John Brown & Company im schottischen Clydebank, wo am 4. Dezember 1936 die Kiellegung erfolgte. Am 27. September 1938 lief das Schiff vom Stapel, doch ihre Indienststellung verzögerte sich aufgrund der politisch angespannten Lage in Europa. Erst am 3. März 1940, bereits während des Zweiten Weltkriegs, trat die Queen Elizabeth ihre Jungfernfahrt an. Sie war ein Schiff der britischen Traditionsreederei Cunard Line, die seit dem 19. Jahrhundert für ihre luxuriösen und schnellen Atlantikliner bekannt ist.
Ursprünglich war die Queen Elizabeth als Schwesterschiff der Queen Mary für den zivilen Liniendienst auf der Transatlantikroute vorgesehen. Beide Schiffe sollten die Vormachtstellung Großbritanniens im Passagierverkehr sichern und den steigenden Anforderungen an Komfort, Geschwindigkeit und Kapazität gerecht werden. Doch der 2. Weltkrieg veränderte ihre Bestimmung grundlegend. Statt zahlungskräftige Passagiere über den Atlantik zu bringen, wurde die Queen Elizabeth – wie auch ihr Schwesterschiff Queen Mary – zu einem der wichtigsten Truppentransporter der Alliierten. Ihre hohe Geschwindigkeit von über 28 Knoten machte sie nahezu unangreifbar für deutsche U-Boote, weshalb sie häufig ohne Geleitschutz operieren konnte. Diese Fähigkeit war strategisch von enormem Wert, denn sie erlaubte schnelle und sichere Truppenbewegungen zwischen den Kontinenten.
Während des Krieges transportierte die Queen Elizabeth Hunderttausende Soldaten und war damit ein entscheidender Faktor für die alliierte Logistik. Ihre erste Reise führte sie geheim nach New York und anschließend weiter nach Australien, wo sie für den Transport von Commonwealth-Truppen eingesetzt wurde. Die Tarnung war so streng, dass selbst viele Hafenarbeiter nicht wussten, welches Schiff sie vor sich hatten. Die Queen Elizabeth war zu dieser Zeit das größte Passagierschiff der Welt mit 83.637 BRT, einer Länge von 314 Metern, einer Breite von 36 Metern und einem maximalen Tiefgang von 12 Metern. Ihre Maschinenanlage bestand aus leistungsstarken Getriebedampfturbinen, die 160.000 PS (117.680 kW) erzeugen konnten und über vier Schiffsschrauben antrieben.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte die Queen Elizabeth zu ihrer ursprünglich geplanten Rolle zurück, dem luxuriösen Passagierdienst auf der Nordatlantikroute. Gemeinsam mit der Queen Mary dominierte sie über Jahre hinweg die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika auf dem Seeweg. In 761 Kabinen konnten bis zu 2.283 Passagiere reisen – ein Rekordwert für die damalige Zeit. Die Ausstattung an Bord entsprach dem höchsten Standard der Epoche. Elegante Salons, weitläufige Promenadendecks, großzügige Speisesäle und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten machten die Überfahrt zu einem Erlebnis für die wohlhabende internationale Kundschaft. Die Besatzung umfasste rund 1.000 Personen, die für einen reibungslosen Betrieb sorgten.
Doch die goldene Ära der großen Ozeandampfer neigte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren dem Ende zu. Mit dem Aufkommen des Düsenflugzeugs verlor die transatlantische Schifffahrt rapide an Bedeutung. Flugreisen waren schneller, günstiger und zunehmend komfortabel. Die Queen Elizabeth wurde zwar weiterhin eingesetzt, doch die Auslastung sank stetig. 1968 stellte Cunard das Schiff schließlich außer Dienst. Die Queen Mary war bereits ein Jahr zuvor ausgemustert worden. Beide Schiffe wurden 1969 durch das kleinere (293,5 m Länge / 32 m Breite) und modernere Schiff 'Queen Elizabeth 2' ersetzt.
Nach ihrer Außerdienststellung als Fahrgastschiff begann ein wechselvolles Kapitel für die Queen Elizabeth. Zunächst wurde sie in die USA verkauft und in Port Everglades (Florida) als schwimmendes Hotel und Touristenattraktion betrieben. Unter dem verkürzten Namen Elizabeth sollte sie Besucher anziehen und als luxuriöse Unterkunft dienen. Doch das Konzept erwies sich als wirtschaftlich schwierig. Die Betriebskosten waren enorm, und die Einnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück. Das Schiff wurde stillgelegt und 1970 versteigert.
Ein neuer Eigentümer, der Unternehmer C. Y. Tung, plante schließlich, die Queen Elizabeth in eine schwimmende Universität umzubauen. Unter dem Namen Seawise University begann man mit umfangreichen Umbauarbeiten in Hongkong. Doch bevor das Projekt abgeschlossen werden konnte, brach am 9. Januar 1972 ein verheerendes Feuer an Bord aus. Das Schiff brannte vollständig aus, kenterte im Hafen und wurde später als Wrack abgewrackt. Die genauen Umstände des Feuers sind bis heute Gegenstand von Spekulationen.
Die Queen Elizabeth war ein Symbol für die große Ära der Ozeandampfer. Sie verkörperte die technische Spitzenleistung ihrer Zeit und spielte sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eine bedeutende Rolle. Ihr Einsatz als Truppentransporter war kreisgwichtig und ihre Jahre als Passagierschiff auf der Atlantikroute in Friedenszeiten prägten das Bild des luxuriösen Reisens über Jahrzehnte hinweg.
Zum Vergleich: Die RMS Titanic gilt auch als technisches Meisterwerk ihrer Zeit als sie 1912 in Dienst gestellt wurde. Allerdings konnte sie ihrem Ruf als unsinkbare nicht gerecht werden, sie sank auf ihrer Jungfernfahrt nach einer Kollision mit einem treibenden Eisberg. Länge: 269 m, Breite 28,2 m und einen Tiefgang 10,5 m.
Auch wenn heute immer noch ein Kreuzfahrtschiff namens Queen Elizabeth unter der Cunard-Flagge fährt, bleibt die historische Queen Elizabeth von 1940 das Original. Sie gehörte zu den bemerkenswertesten Schiffen, die je gebaut wurden.
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
Auf einfachen Holzbrettschaukeln, die nur an Seilen hängen, sitzen die Männer der Besatzung und streichen die Außenhaut des Passagierschiffs. Diese Arbeit verlangt nicht nur Vertrauen in die schlichte, aber bewährte Technik, sondern auch völlige Schwindelfreiheit. Während sie konzentriert ihrer Aufgabe nachgehen, wirken die Männer im Vergleich zur gewaltigen Bordwand fast winzig. Gerade dieser Größenunterschied macht eindrucksvoll sichtbar, welche monumentalen Ausmaße das Schiff besitzt.
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff. Am Bug sind drei Anker.
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff. Sehr gut sind die Nieten erkennbar, mit denen die Eisenplatten zusammengefügt wurden.
Genietete Eisenplatten, wie sie beim Bau der Queen Elizabeth verwendet wurden, gelten nicht als weniger verlässlich als geschweißte Verbindungen im späteren Schiffsbau. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Bauweisen, die jeweils ihre eigenen Vorteile besitzen und in ihrer Zeit aus guten Gründen eingesetzt wurden. Bei frühen Großschiffen war das Vernieten die dominierende Technik, weil sie als besonders robust und berechenbar galt. Die Konstruktion konnte leichte Bewegungen der Stahlplatten aufnehmen, ohne dass sofort Risse entstanden, und selbst wenn eine einzelne Niete versagte, blieb die Gesamtstruktur in der Regel stabil. Erst mit dem technischen Fortschritt wurde das Schweißen zur bevorzugten Methode, weil es glattere Oberflächen, geringeres Gewicht und eine durchgehende Verbindung der Stahlplatten ermöglichte. Moderne Schweißnähte sind extrem zuverlässig, doch in den 1930er- und 1940er-Jahren war die Schweißtechnik noch nicht so ausgereift, dass sie die gleiche Haltbakeit bot wie das Vernieten. Deshalb war die genietete Bauweise der Queen Elizabeth keineswegs ein Nachteil, sondern entsprach dem höchsten technischen Standard ihrer Epoche.
Die ständige Belastung durch Wellengang, Vibrationen der Maschinen, Temperaturwechsel und Materialermüdung konnte dazu führen, dass einzelne Nieten sich minimal lockerten oder Spiel bekamen. Besonders an stark beanspruchten Stellen oder bei älteren Schiffen war das ein bekanntes Phänomen. Dennoch galt die genietete Bauweise als ausgesprochen robust, weil sie eine hohe Fehlertoleranz besaß: Selbst wenn eine Niete nachgab, blieb die Gesamtstruktur stabil, da die Last auf viele hundert oder tausend weitere Nieten verteilt war. Zudem konnten lockere Nieten im Rahmen der regulären Wartung relativ einfach ersetzt oder nachgezogen werden. Die leichte Beweglichkeit der überlappenden Platten war sogar ein Vorteil, weil sie Spannungen abbauen konnte, die bei starren Verbindungen zu Rissen geführt hätten. Erst mit der Weiterentwicklung der Schweißtechnik nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schweißen zur bevorzugten Methode, doch zu Zeiten des Baus der Queen Elizabeth war das Vernieten eine bewährte, sichere und langlebige Bauweise.
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff. Rettungsboote
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff. Rettungsboote. Besatzung beim Anstreichen der Queen Elizabeth auf Holzbretten an Seilen hängend.
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff
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Portsmouth. Queen Elizabeth - Passagierschiff